Nur noch wenige Tage…

Es war ruhig geworden. All die exzessiven Stunden wie weggeblasen. Wir hatten einmal mehr überlebt und nur der Tour-Bus grummelte leise vor sich hin. Das badam badam der Ostautobahn durchbrach als einziges die Ruhe und sollte es noch lange Zeit tun. Es war im letzten Drittel der 80er und irgendwie die Endzeitstimmung der damaligen DDR.

Man ahnte vielleicht dass deren Untergang kommen könnte. Aber genauer definieren konnte das keiner von uns. René saß am Fenster und das mit starrem Blick in die leblose Landschaft. Durch die Autobahnzugänge von Westdeutschland nach Berlin West fahren war strong. Das war wie eine Strafarbeit für den Fahrer. Nichts als graue punkte und Flächen neben der Autobahn und Tristesse wohin man auch sah.

Der Gig schwirrte manchem noch im Kopf herum und da durchbrach ein „nur noch wenige Tage“ von René den Raum. Fast unhörbar und doch grade laut genug. Seine Freundin Dörthe hätte wohl gesagt, lass ihn der spinnt, aber uns beschäftigt das bis Heute. Dörthe hatte sich da schon bereits von René getrennt. Sie könne nicht neben einem Typen aufwachen, der jeden Morgen aufwacht als wäre Karneval. So oder zumindest ähnlich gab sie damals ihre Trennung bekannt.

Nun wir werden nicht dahinter kommen was René damals meinte. Gelebt hat er noch über 30 Jahre bevor ihn der Krebs -viel zu früh-besiegte. Etwas mit der damaligen Endzeitstimmung muss wohl ihn und uns ergriffen haben und das obwohl wir Wessis nicht nach dem Mauerfall gerufen hatten…

Foto/Text JK ©15/09/2021

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