Damals wars und ganz ohne Ewald Wenck…

Ja die Geschichten aus dem alten Berlin. Gerne habe ich die in den Anfängen der 60er Jahre nachts gehört. Ich erzählte es bereits es brachte mir ein frühes Geschenk meines Vaters der rote Transistor direkt ans Ohr und ins Bett. Ich schlief ab und an sogar darauf ein und hatte entsprechend zerknitterte Gesichtsfalten am nächsten Morgen.

Aber es gab nicht nur den Geschichtenerzähler, nein es gab AFN und die Schlager der Woche. Die SdW servierte regelmäßig der R.I.A.S. – Radio im amerikanischen Sektor. Später war ich oft im RIAS bin dort fast wöchentlich ein und aus gegangen. Ich habe die Technik der Kommunikationsgeräte betreut und saß dann doch oft, nicht im Sinne meines Arbeitgebers, in den Redaktionsstudios. Dort überhäufte man mich mit 45er Single Schallplatten die gehört und bewertet waren.

Übrigens das alte Gebäude noch aus Kriegszeiten sprach wie so einige andere seiner Art in Berlin Bände. Ich denke der RIAS hatte in Berlin lange Zeit die höchste Präsenz und erst mit Abstand folgte der SFB – Sender freies Berlin.

Gestern sah ich Inas Nacht mit Ina Müller und dort zu Gast war Olli Dittrich alias Dittsche. Irgendwie fragten sie die anwesenden Gäste plötzlich nach Inge Meysel und alles verstummte urplötzlich. Das war der Moment der mir unverhohlen ins Gesicht schrieb wie alt ich bereits bin.

Erschreckender Moment, plötzlich lief bei mir wieder der Film ab wie sich die Dinge verändert haben. In den 60ern bis in die 90er Jahre wurde jeder Geburtstag meiner Eltern und nahen Verwandtschaft gebührend gefeiert, – 25 Personen waren Standard. Das bedeutete selbstgemachte Musik, meist kam das Akkordeon zum Einsatz und es wurde gesungen, geschunkelt und geraucht und gesoffen bis man den Verlust der Muttersprache beklagte.

Es war eine krasse Zeit aber Drücken war nicht en Vogue !!!

Für mich war das eine harte Doppelbelastung und meine Süße und ich fanden immer geschickte Winks dieser Regel zumindest im Laufe der Feier zu entkommen. Na klar haben frisch Verliebte besseres zu tun als der Verwandtschaft die Stange zu halten. Aber zeitweise war es auch ganz schön dabei zu sein. In der Nachbetrachtung sage ich denn auch heute fehlt es mir gradezu und es ist sorry zum Kotzen dass unsere Kids rein gar nichts mehr dafür übrig haben beziehungsweise empfinden. Geburtstag bedeutet für meine Liebe und mich heute oft nur noch gemeinsam mit dem Hund auf den nächsten Tag zu warten.

Arme Welt in der wir leben müssen. Wenn ich mir etwas wünschen könnte dann wäre das sicher noch einmal mit all jenen am Tisch zu sitzen und Lieder zu singen, die der heutigen Welt vollkommen unbekannt erscheinen. Von Tante Anna bis zu Zickenschulzes Hochzeit, einfach ein dreifach Hoch auf diese großartig schöne und wärmende Zeit in der man sich den alten Kaiser Wilhelm singend herbeisehnte…

Foto/Text JK ©04/09/2020

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