Berlin anfang der 60er…

Mein Gott was hatte ich es doch schön. Nichts konnte das Kinderherz trüben ausser schlechtes Wetter. Ab und zu kam Onkel Max vorbei, der arbeitete irgendwo als Fahrer in einem Wäschedienst. Lieferte den ganzen Tag frisch gewaschenes, aber vor allem gebügeltes an Hotels und andere Firmen.

Wenn Onkel Max durch die Tür trat das hatte was. Er war von stattlicher Größe und hatte immer ein Lächeln parat. Na Kleener wolln wa Haare schneiden? Und schwupp holte er Schere und Haarschneider aus der braunen Aktentasche. Danach wurde dann meist der Kaffee von Mutter gereicht und man hielt ein Pläuschen während ich mich wieder meinen Heiligtümern, den vier Autos der Firma Gorki Toys widmete.

Wenn ich mir so überlege wie es meinem Enkel heute so geht…

Er hat die Wahl aus krasser Unüberschaubarkeit und das merkt man leider sehr häufig. Onkel Max Verabschiedung fand regelmäßig draussen am VW Bus statt. Dann griff er wie immer in die Hosentasche und zauberte ein fünf Mark Stück heraus. Jedes Mal! Das für Kinderhände fast etwas zu groß geratene Ding lag schwer in meiner Hand und lächelnd sagte ich Danke Onkel Max. Jedesmal beugte er sich dann zu mir herunter und flüsterte mir ins Ohr: kaufste dir wat schönet aber darfste nischt zu Tante Behling sagen! Tante Behling war seine Frau und ich kann mich beim besten Willen nicht an deren Vornamen erinnern. Ausgelöscht wie die Gute selbst bereits in frühen Jahren. Onkel Max starb dann erst irgendwann in den 70ern, aber da war eh Schluss mit den Fünfern die man in Berlin auch Heiermann nannte.

Ich erinnere mich noch gerne an ihn und seine Wärme und rückblickend kann ich heute sagen, dass jene Tante auf mich einen kühlen bis gar keinen Eindruck hinterließ. Was eigentlich selten der Fall war. Damals war man glücklich mit dem was man hatte und fast schon luxuriös war mein kleiner roter Transistor, den Vater bei Atzert Radio am Anhalter Bahnhof für mich kaufte. Irgendwann an Weihnachten änderte sich meine kleine Welt und ich fand damals den frühen Zugang zur englischsprachigen Musik aber auch zu Leuten wie Ewald Wenk einem der nette Berliner Geschichten erzählte. Musiksendungen für junge Leute da hatte Berlin den ersten Preis gezogen, denn der AFN (Besatzungssender) dudelte die 24/7. Außerdem half es einem noch die englische Sprache ein klein wenig näher zu bringen.

Dank meiner Tante Martha, die im amerikanischen Hospital als Schwester tätig war, wurden Verständnis Probleme umgehend ausgemerzt. Aber das ist dann bereits wieder eine neue, alte Geschichte…

Foto/Text JK24/07/2020

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