Der Säkularismus im jetzt und hier…

Im historisch ursprünglichen Sinn bezeichnete Säkularisierung den Übergang des Kirchengutes in weltliches Eigentum. Zahlreiche Errungenschaften des modernen Rechtsstaates wie Gewissensfreiheit, Menschenwürde, Menschenrechte etc. sind gewissermaßen säkularisierte Schätze der Kirche. „Die Kirche sollte diese ihre weltlichen Kinder segnen statt sie gewissermaßen in den Mutterschoß zurückzufordern“ (Eberhard Jüngel).

Heute macht es uns eher Angst wir könnten beraubt werden von jenen Fremden welche in Scharen zu uns strömen um zu überleben, denn Säkularismus ist nunmal ein zentraler Begriff zur Deutung der religiösen Weltanschauung. Es gibt eben auch viele Anzeichen für das Fortschreiten säkularistischer Strömungen. So nimmt die Zahl konfessionsloser Menschen kontinuierlich zu. Die gesellschaftlichen Anhänger des Christentum in Europa sind im Schwinden begriffen. Aber deshalb gleich vom Ende des Abendlandes zu sprechen…?

Anatole France schrieb einmal: Der Krieg und die Romantik, schreckliche Geißeln! Und was für ein erbarmungswürdiger Anblick, die rasende, kindische Liebe dieser Leute für Gewehre und Trommeln zu sehn! Sie verstehn nicht, daß der Krieg, der die Herzen unwissender und barbarischer Völker bildete und ihre Städte gründete, heute dem Sieger selbst nur Verfall und Elend bringt und zugleich ein grauenhaftes und blödes Verbrechen ist heute, wo die Völker durch die Gemeinsamkeit von Kunst und Wissenschaft, Handel und Verkehr miteinander verbunden sind. Sinnlose Europäer, die daran denken, sich gegenseitig zu erwürgen, wo doch die gleiche Zivilisation sie einhüllt und vereint.

Vielleicht müssen wir die Zukunft etwas globaler denken. Hinwegsehen über Europas Grenzen. Hin zu einem weltlichen Gefüge und dabei akzeptieren, dass es wohl keinen Gott gäbe, der uns nur zum Hass und somit zum Krieg der Kulturen führen würde. 

In Europa spielt nach Jahren des Vergessens, das Christentum urplötzlich wieder eine Rolle. Viele Populisten berufen sich auf das Christentum, um gegen den Islam zu wettern. Die säkulare Gesellschaft muss wieder über den Stellenwert von Religion nachdenken. Immer mehr Populisten versuchen, die Trennwand zwischen religiöser Behauptung und verfassungsstaatlicher Realität einzureißen. Ihr Treiben hat bereits Konsequenzen für unser politisches System. Denn aus Angst, Wähler zu verlieren, nehmen auch demokratische Parteien Forderungen von Rechten in ihre Programmatik, zumindest aber in ihre Rhetorik auf. Was das jedoch schon jetzt im doch so aufgeklärten humanistischem Westen für geflüchtete „Fremde“ bedeutet, können wir alle sehen.

Deswegen ist Wachsamkeit gefordert. Wachsamkeit vor all denen die mit einfachen Lösungen, mit Hassparolen und lautem Geschrei den Untergang des Abendlandes anstoßen, um in ihren scheinheiligen Krieg zu ziehen, denn all Jene wollen einzig die Komplexität der Wirklichkeit auf ein nicht statthaftes Minimum reduzieren…

Foto/Text JK ©06/02/2019

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