Und alles schreit nach Heimat…

Ich glaube wir hatten schon das Vergnügen hier in meinem Blog und doch ist es der Begriff der uns am meisten aufwühlt, am meisten packt und oft eben auch bis zur Unendlichkeit verdreht wird, so er in die Hände von Politikern gerät.

Lange Zeit war Heimat für mich kein Thema. Doch heute, immerhin auf die 70 zusteuernd wird der Begriff immer wichtiger für mich. Oft denke ich an die Nachkriegsjahre, denn der Krieg endete ja nicht 1945 wie so oft fälschlich behauptet wurde. Nein der endete wenn überhaupt erst Jahre später und in einigen Köpfen wohl eher nie. Nicht umsonst war grade der 2. Weltkrieg ständiges Thema und nicht umsonst reden & sehen wir heute wieder einen steigenden Antisemitismus in unserer Gesellschaft.

Heimat, das ist für mich im Zentrum von Berlin. Da wo ich Omas Lieder von Liebe, Trauer und Leid ertragen musste. Als Kreuzberger Kind war mir das Schicksal des Arbeiterkindes bereits in die Wiege gelegt worden und so wuchs ich mit meinesgleichen auf. Alles im Lot während sich die Spinner am Wannsee austobten. Mir war der Mix in Kreuzberg der Richtige und die Künstler flankierten bereits früh mein Leben. 

So ging eben auf einen Quadratkilometer Kreuzberg alles. Aufwachsen in einem behüteten Umfeld, Schule an der man mitkommen konnte. Erste Gefühle unter der nächtlichen Decke ebenso wie der allererste tiefere Kontakt zum anderen Geschlecht. Ja so war das in Kreuzberg, das erste Hochgefühl lag unfern des ersten Absturzes und jeder Weg den man beschritt erinnert bis heute an beides.

Wenn ich nach Curry 36 mal wieder bei Oma einkehre, dann ist plötzlich alles wieder ebenso klar, wie da. Nun ich hoffe mal die räumen Oma nicht doch irgendwann einmal ab. Das würde mir wohl doch das Herz brechen, aber ich denke die Berliner haben schon oft bewiesen, dass abgelaufene Grabstellen nicht so interessant sind wie „Neue“…

Oft denke ich auch, was wäre eigentlich gewesen, wären meine Eltern nicht so sesshaft gewesen. Wie hätte sich das Leben wohl gestaltet und wie hätte es mich als Menschen verändert? Meine gesamte Jugend drehte sich zu jedem Zeitpunkt um Kreuzberg. Da wurde gelernt, nebenbei gearbeitet um abends verdientes wieder auf den Kopf zu hauen. Da wurde getrunken, geraucht, gezockt, geliebt und gelacht was das Zeug hält. Da gab es all die Siege und all die Verluste, die den Menschen zum Menschen machen. Kummer und Leid ebenso wie Wolke 7 und all die höchsten Glücksgefühle welche man sich nur vorstellen kann.

Ja Heimat ist Kreuzberg und somit das Zentrum von Berlin. Heimat das ist auch Omas Grab und der kleine zugewachsene Weg dorthin. Heimat das ist der Duft der Jugend, das sind all die unauslöschlichen Erlebnisse von damals. Aber Heimat ist auch eine meiner ersten Lieben, die es bis in die heutige Gegenwart geschafft hat und mit der ich einmal später – alt und grau – „Heimat“ wieder auferstehen lassen und nachvollziehen kann. Es gibt einen alten weisen Spruch zum Thema Heimat: nicht wo du die Bäume kennst, da wo die Bäume dich kennen, da ist Heimat.

Heimat sind für mich die Wurzeln auf jenen Hügeln auf denen ich einst lernte meine Welt zu überblicken…

 

Dort an Vaterhauses Stelle
Steh ich nun wie festgebannt
Seh Geschichten Fäden spinnen
Erinnerungen ans Heimatland

 

Foto/Text JK ©09/10/2018

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