Vom Zusammenleben und Pulitzer Preisen…

Gestern kam ich dann aus meinem Schneckenhaus wieder heraus und konnte mir trotzdem noch keinen Reim darauf machen, warum Menschen so früh sterben müssen und das noch im Verbund. Ich brauchte Tiefgang und nahm mir eine Geschichte vor, für die es bereits einen Pulitzer Preis geregnet hatte. Diese knallte dann auch mit bewusster Schwere in meine noch geschundene Seele. Jedoch hinterließ sie keine neuen Schmerzen, oder gar Fragen. Nein sie war dann doch eher Erlösung und Auflösung zu gleich. Ging es doch um Familie, um Zäune, die von außen das Innen schützen, wie von innen das Außen.

Aber mal der Reihe nach:

Oft habe ich mich ja schon zu dem Thema Verwandtschaft geäußert und nicht nur einmal ihren negativen Anspruch betont. Meine Mutter bräuchte ich nicht zu überzeugen, denn sie war es vor mir bereits. Nachdem sich nun fast nur noch deren Nachkommen unter den Lebenden befinden, frage ich mich, was ist bei denen daheim wohl alles schief gegangen?

Aber gut, das kann man derzeit überall heraushören, so man hören kann. Allweil wird darüber resümiert und allseits kommen Menschen zu dem Schluss: Menschen, je näher sie uns auch scheinbar stehen, entwickeln sich zu komischen Gestalten, welche uns je länger wir sie betrachten immer fremder werden! Das beste Beispiel ist noch ein Junges. Da nimmt jemand in Kauf von der Restfamilie gesteinigt zu werden, weil ihm in den Sinn kommt sich an die eigene Schwester liebevoll zu erinnern und genauso schnell reißt das Interesse an besagter Schwester danach wieder ab. Alles was man nach 20 Jahren Trennung auf sich genommen hatte, wird so binnen Monaten zur reinen Farce.

Aber die Geschichte in welche meine Flucht vor dem Leben mich führte, hat ihren Preis nicht umsonst erhalten. Der Pulitzer Preis ist eben nicht umsonst einer der renommiertesten Preise unter den Literaturpreisen. Daher hat sie mich berührt, mir den Spiegel meines eigenen mit Leidenschaft geführtem Leben einmal mehr vor gehalten.

So erkannte ich mich selbst einmal mehr in all der Arroganz des Lebens, denn auch meine Mittel waren auf Sieg ausgerichtet und Verlustängste fanden keinerlei gehör. Ging es mir an der Spitze des Kreuzzuges „Leben“ gut, ging es auch allen anderen, mir folgenden, gut. Das war natürlich hochgradig egoistisch den Ritt so zu gestalten wie er mir in den Sinn kam. Rücksicht gab es wenig und wenn dann sollte man > eben preisverdächtig < dazu stehen, dass es oft nervte ausgebremst zu werden.

Aber wie diese nächtliche Geschichte mir eben auch aufzeigte, gibt es Verfehlungen. Jene Verfehlungen die man sich nicht gerne eingesteht und für die es eigentlich auch keinerlei Entschuldigung geben kann. Aber da öffnet sich der Horizont jener Geschichte dann plötzlich und schiebt wie von Geisterhand eine Art Mutter Courage in das Literaturgefüge, welche wiederum für den Betrachter fast erschreckend ein: „Ich vergebe Dir“ heraus zaubert.

Am Ende bin ich müde geworden. Müde, allein und einsam, fast ein wenig wehmütig sitze ich wie vor mir selbst, nur um mir, wenn auch ein wenig gehemmt, selbst ein „Not Guilty“ zuzusprechen.

 

Metaphorisch vielfältig aufgeladen, könnte man die Geschichte vielleicht so erklären:

 

„Manche Menschen bauen Zäune um Menschen aus ihrem Leben auszusperren, andere tun das, um Menschen einzusperren. Das Leben ist aber immer eines, das zwischen den Zäunen spielt und auf diesem kleinen Raum vom Zustand der Welt, in dem wir, die Figuren sind, die nunmal um ihr Leben kämpfen, müssen wir uns tagtäglich aufs neue behaupten…“

 

 

Foto/Text JK ©11/03/2018

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