Mit Gott zu Mittag gegessen…

Das ist eine kleine Geschichte von einem kleinen Jungen welcher sich mittags im Park sein spärliches Essen mit einer alten armen Frau teilt und sie ihm ihr schönstes Lächeln dafür schenkt. Als ich mal wieder auf Fototour am HBF unterwegs war und auf die richtigen Motive wartete, sprach mich ein Obdachloser an, gefühlt der Zehnte, der mir das Berliner Obdachlosenblatt „Straßenfeger“ verkaufen wollte.

Ziemlich schroff, wies ich ihn genervt zurück. Aber als er dann eine Weile vor meinem Platz im Außenbereich eines chinesischen Restaurant herumging, hatte ich mit meiner schroffen Haltung plötzlich doch Bauchschmerzen. Kurz und gut ich sprach ihn an und bat ihn sich zu mir zu setzen. Schnell holte ich uns zwei Kaffee, während er auf meine 6000 Euro Fotoausrüstung aufpasste und dann habe ich mich erst einmal entschuldigt für den anfangs schroffen Ton.

Er nahm an, denn er konnte verstehen, dass jemand der auf der Straße lebt wie ich, zwar freiwillig, aber doch so wie er, natürlich ständig angebettelt wird. So ging es mir tatsächlich und als ich meine Auszeit 2009 – 12 Monate überleben auf der Straße in Berlin machte, da hatte ich eben oft auch selber zu kämpfen über die Runden zu kommen! Nichts wurde mir in den Läden geschenkt und alles musste durch kleine Jobs mit meiner Fotoausrüstung erarbeitet werden.

Da lag dann letztlich auch mein größtes Problem, die Kreditkarte im Safe und meilenweit entfernt und jeder Job der Geld versprach musste abgelehnt werden da ich ja in der Zeit keine Rechnung erstellen konnte. So gab es natürlich was warmes bei Freund und Freundin aber sonst eben nichts!

Aber genug von mir, außerdem ist mein Jahr auch hier im Blog nachlesbar und damit zurück zu dem jungen Obdachlosen. Warum mich dieses Thema grade tangiert, liegt auf der Hand, erstens denke ich oft über die Ungerechtigkeit nach und da frage ich mich schon, was haben die falsch gemacht um auf der Straße zu landen.

Der Junge vom HBF hatte keine Chance und konnte daher auch nichts nutzen. Früh machten ihm Drogen zu schaffen und dann rutschte er ab in ein Leben an der Nadel, mit Beschaffungskriminalität und mit dem Tod im Gepäck.

Das gemeinsame Merkmal der Menschen innerhalb ihres sozialen Gebindes ist doch aber eigentlich das Streben nach Anerkennung. Philosophisch betrachtet bedeutet das, dass wir in der Lage sind uns selbst etwas gutes zu tun, indem wir anderen etwas gutes tun. Wie und ob wir davon Gebrauch machen, ist weniger eine Frage von höheren Einsichten und Prinzipien, sondern eine Frage des Umfeldes, das uns prägt und von dem wir uns prägen lassen.

Somit ist der Geburtsort unseres moralischen Bewusstseins die Gesellschaft die wir um uns bilden. Aristoteles sagte einmal, eine gute Gesellschaft ist die, die vielen Menschen die größtmögliche Chance auf Anerkennung bietet, ohne anderen dabei zu schaden. Das setzt jedoch immer voraus, dass ich die Maßstäbe, die ich für mich angewandt sehen möchte, auch meinem gegenüber zugestehe. Das jedoch zu vergegenwärtigen scheint für so manch armseligen Geist im höchsten Maße zu viel verlangt… 😬

Die Armut scheint mir ehrlicher zu sein als der Reichtum! Es gibt keine trügerische, glanzvolle Fassade, hinter der sich die Armut und die Armen verstecken könnten.<<<<<<
ulla

Foto/Text JK ©28/01/2018

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