Hausgemachte Einsamkeiten…

Engagierte Menschen wissen ums eigene Ungenügen. Und sie wissen, dass die Welt, wie sie ist, nie gut genug ist…
Ja wir alle wissen woran es hakt, denn wir sind eigentlich engagierte Menschen, nur haben wir uns irgendwann mit einem Trägheit Gen infizieren lassen. Und so hängen wir müde auf der Couch und rufen uns zu:
»Bestellst du uns was Schönes? Mein Akku ist leer.«

»Die nehmen kein AmEx. Sagst du mal deine Kreditkartennummer?«

»Wir haben einen Gutschein von denen, oder?«

»Wo denn? Ach, hier. Schon abgelaufen.«

»Der Bote simst, es dauert länger. Das Restaurant hat zu spät geliefert.«

»Haustür klemmt? Sehr merkwürdig. Warten Sie, ich komme runter.«

»Ich füll uns das eben noch um. Aus dem Plastik essen ist eklig.«

»Ist deins warm?«

»Geht so.«

»Bei mir haben sie wieder den Koriander vergessen. Schreibe ich gleich in die Bewertung.«

»Und bringst du nachher die Verpackung runter? Der Abfalleimer ist schon wieder voll.«

Diese Aufzählung habe ich tatsächlich grade in der Zeit gelesen. Ein Artikel der mich sprachlos machen sollte und es doch nicht macht. Längst folgen wir doch den gleichen Mustern und längst ist die Trägheit eine unserer größten Krankheiten geworden.
Aber es ist nicht nur die Geschichte die uns das internet ausgelöscht hat. Ich würde gerne den jüngeren Menschen unter euch einmal zeigen wie es früher bei Tante Emma in Kreuzberg war. Würde euch gerne einmal in die Gerüche eintauchen lassen, welche ich noch riechen durfte. Ein Mix aus Omo, Sauerkraut und überreifem Käse. Aus Wurst und Brot, Tabak und Seife.
Man kann sich das heute in den großen sterilen REWÉs garnicht mehr vorstellen. Und was natürlich immer grandios war und nicht unvergessen bleiben sollte, war die Konversation mit dem Inhaber, denn die war in der Regel garantiert. Als ich anfing mit meiner Ausbildung zum Techniker war ich als jüngster Stift, so bezeichnete man uns damals als Auszubildender, dafür zuständig das Frühstück für die Gesellen einzukaufen. Das galt meist für ein Jahr, bis die nächste Generation die Arschkarte von mir übergeben bekam.
In sofern weiß ich was wir uns selbst weg rationalisiert haben und was unsere Sehnsüchte heute immer wieder auf den Sprung ruft. 
Wenn ich heute mal durch Berlin gehe und sehe was aus all den herrlichen Ladenzeilen von einst geworden ist: angefangen von Handyläden hin zu Ramschläden bis zu Spiel und Imbiss Ketten. Hier und da nochmal ein Fotoladen und einer für die tägliche Sucht nach Kippen, Schnaps, Zeitung und Lotto. 
Früher war der Gang durch mein Kiez eine Geruchsexplosion, heute gleicht der Gang einem Abgesang der Toten, auf all das was ihnen einst wichtig und unverrückbar erschien…
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Foto/Text JK ©31/05/2017

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