Wenn es nicht nur um die Wurst geht…

Neulich traute ich meinen Augen nicht als mir ein Lebensmittel vor die Augen geriet von dem ich dachte es wäre so lange tot wie meine Großmütter. Plötzlich kamen alle Erinnerungen wieder hoch und ich habe nun beschlossen beim nächsten Einkauf solch ein Ding zu erwerben. Gut, die Erbswurst von Knorr hilft heute, bei meiner Vorratskammer, sicher nicht über alle Nahrungssorgen hinweg 😉 aber das braucht sie ja heute auch nicht mehr.

Damals in Berlin gab es die auch nicht an normalen Tagen, aber ich erinnere mich, dass nach der Schule schon mal ein Teller davon gereicht wurde, um die Zeit bis zum Eintreffen der Eltern und dem gemeinsamen Abendessen zu überbrücken. Es dauerte nämlich noch einige Zeit, bis die ersten Wurstbuden ihre Curry Würste und Buletten an den Mann brachten. Schnell kam dann auch der Döner und das kleine Stück Pizza für unterwegs.
Ich kann mich noch genau an den Geschmack der Erbswurst erinnern und doch ist es mit Sicherheit fast 50 Jahre her als ich den letzten Teller davon gegessen haben muss. Es war ja auch die Nachkriegszeit, Berlin lag immer noch an vielen Ecken in Schutt und Asche und das Geld verdienen im großen Stil hatte noch nicht begonnen. Da musste man schon arg betteln, wenn man mal eine Curry mit Pommes wollte und jede Woche war das eh nicht drin. Einmal im Monat und das wenn es hoch kam. So genoss man den Geschmack dieser von Knorr fälschlicherweise als Wurst bezeichneten, aus Erbsen Konzentrat gemachten Presswurst, die in ihrer Konzentration eher einem Brühwürfel glich.
Als Kind fand ich diese Abwechslung toll, denn sie war mir weitaus lieber als Wirsingkohl Eintopf oder Brechbohnen. Man konnte auch Oma solange quälen, dass sie einem vor dem schon köchelnden Wirsing schnell eine machte, um dann später seinen vollen Magen als Entschuldigung für die Ablehnung des Wirsing zu nutzen. 😬 Die Sache ging jedenfalls oft so auf und das ersparte mir jedenfalls als Kind einiges. Nun heute wäre der Eintopf wohl eher mein Ding und bei meiner Liebe zum Kochen, mit frischen regionalen Produkten, ist eine Erbswurst nur eine für den Kopf.
All meine Sehnsüchte nach der früheren Zeit wären damit breit befriedigt und so wie ein altes Lied wenn es aus dem Radio klingt, so wie eine der längst vergangenen TV Folgen die sich ins heutige Programm gerettet hat, genau so streichelt dieses immer noch produzierte Erbswurst Teil beim verzehren meine Seele. Der Gourmet in mir wird es mir verzeihen und meinen aufbrausenden Gefühlszustand rücksichtsvoll übersehen…  

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Text JK ©23/05/2017

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