Storyteller aus Berlin…

Früher, also in den 80ern war ich schon als Geschichtenerzähler bekannt, gerne gesehen und beliebt. In meiner Stammkneipe war ich sehr gefragt. Sie lag unweit meiner Wohnung in Lichtenrade, am Rande von West-Berlin, kurz bevor die Mauer das Umland wieder abriegelte. Es passierte schon fast regelmäßig, dass abends das Telefon klingelte und der Wirt der eher gehobenen Kneipe bettelte ich solle doch noch auf einen Drink vorbeikommen.
Na klar, ein Drink, meistens war oder wurde es dann 5 oder gar 6 Uhr und nach einer kurzen Phase des Wachwerden, hatte mich dann die Arbeit wieder. Ich habe immer gerne erzählt und trage natürlich auch tausende Geschichten in mir, sonst wäre es ja auch sehr schnell langweilig geworden. Man lauschte mir gerne und so war oft der ganze Tresen zum zuhören verbannt.
Aber auch in trauter Zweisamkeit verging kaum eine Nacht mit mir ohne eine meiner spannenden Geschichten. Ich kann mich an viele Freundinnen erinnern die völlig von Sinnen waren als sie es wieder schafften auf die Uhr zu blicken. All die spitzen Schreie: „Oh mein Gott es ist ja schon…“ schwingen bis heute in meinen Ohren. Es war ihnen letztlich egal und ob verheiratet oder nicht, nahmen sie lieber ein wenig Stress in Kauf als die Nacht abrupt zu beenden.
Zu gefühlvoll, einfach viel zu harmonisch und schön kamen meine Geschichten auf den Tisch und meine Stimme tat ihr übriges dazu für eine romantische Entspannung zu sorgen. Ja ich kann das und heute wo es mir nicht mehr so oft gegeben ist mich in der Welt auszutoben, da ist es eben mein Blog und all meine vielen lieben Leser die nun herhalten müssen und die mir auch immer wieder jene Bestätigung geben, die ich brauche um das Feuer in mir am Leben zu erhalten.
Ich gehe auch selbst auf in meinen Geschichten. Vieles durfte ich erleben. Schönes genau wie trauriges, aber eben auch absurdes, rätselhaftes und lustiges. All die Geschichten haben mich geformt, sie habe den Menschen aus mir gemacht der ich heute bin und der ich eben auch gerne sein wollte. Wer hat schon soviel Glück, dass er genau diese Eigenschaften mitbekommt die für ihn nun einmal Leben bedeuten. Sich ausdrücken zu können wenn man etwas zu erzählen hat ist keine Kunst sondern wie ich finde eine Gnade. Mir ist diese zu Teil geworden und dafür bin ich dankbar und zufrieden. Auch wenn es nicht immer einfach ist, vor allem wenn mir die eigenen Emotionen die Tränen herausdrücken. Ja, das passiert mir häufig, denn ich gehe tief in mich und hole Dinge heraus die eben für mich sehr emotional waren oder sogar noch sind.

Das schönste Geschenk für mich, ist wie bei einem Künstler die Anerkennung und hier bin ich anders wie der Künstler, zumindest in meinen frühen Jahren, oft belohnt worden. Ich habe sie alle gesehen, die weinenden ebenso wie die lächelnden, die erstaunten wie die erschrockenen Gesichter. Habe manche Träne getrocknet und manchen auch ein Lächeln gezaubert. Habe mit Liebe gesprochen und erzählt und habe dabei nie den Faden verlieren können, denn meine Geschichten sind alle aus meinem Buch des „Erlebten“ und das kennt nun einmal nur Geschichten in denen ich zum Glück ausnahmslos die Hauptrolle spielen durfte…

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Foto/Text JK ©31/03/2017

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