Nur so ein Gefühl..?

Vor langer, langer Zeit, als ich noch bei meinen Eltern wohnte, hing von innen an meiner Zimmertür ein Schild: „NOTAUSGANG“. Es war der einzige Ausgang, es sei denn man hätte den Weg aus dem Fenster genommen. Der Raum, mein Zimmer, das war für mich Heimat. Für viele ist Heimat der Ort, an dem sie aufgewachsen sind, jede Straßenecke kannten. Die ersten Schritte, der erste Kuss, an die eigene Heimat zu denken, lässt in vielen Menschen ein warmes Gefühl aufsteigen. Heimat prägt uns Menschen wie kaum etwas anderes und Heimat lässt uns bis wir einmal sterben, nicht los. Heimat bedeutet aber auch eine Fülle an gelebten Geschichten und wenn ich heute von meiner Heimat spreche, gebe ich des öfteren auch sehr viel von mir selbst preis.
Wobei mir erst später bewusst wurde, nicht da ist man daheim, wo man seinen Wohnsitz hat, sondern wo man verstanden wird. Ich konnte mit dem Begriff Heimat lange nichts anfangen, denn Heimat war für mich sowohl etwas sehr Leichtes als auch Schweres zugleich und manchmal wusste ich selbst nicht mehr genau, was für mich selbst, der Begriff Heimat tatsächlich ausmacht.
Bei allem was wir tun oder auch lassen, dürfen wir dabei nicht vergessen, dass Karma nichts Festgelegtes ist. Also auch die Beziehung zwischen Ursache und Wirkung, in Bezug auf unsere Heimat, ist überaus dynamisch. Je mehr wir darüber nachdenken, desto mehr werden wir uns der Zusammenhänge bewußt, desto mehr verändert sich unser Handeln und damit letztlich auch unsere Sicht. 
Lange war Heimat etwas Selbstverständliches, sie war einfach da, aber allmählich im Laufe zunehmender Lebensjahre, erwächst aus unserer fortlaufend schrumpfenden Zukunft eine veränderte Grundlage des gewahr sein. 
Kein geringerer als der Dalai Lama sagte einmal, „das Unglück, das uns heute widerfährt, ist die karmische, auf Ursache und Wirkung beruhende Vergeltung eines Unrechts, das wir anderen zugefügt haben. Unsere eigenen negativen Handlungen in der Vergangenheit schaffen die Bedingungen für unser jetziges Leiden. Wenn wir es uns recht überlegen, sind wir eigentlich diejenigen, die einem anderen schaden: Wer uns Leid zufügt, häuft unseretwegen negatives Karma an und legt damit die Grundlage für sein zukünftiges Leiden.“
Vielleicht hätte ich damals auf das Schild „Notausgang“ besser hören sollen. Wobei es mir bei meinem Drang nach Freiheit und meiner „Sucht“ nach LEBEN, wohl recht schwer gefallen wäre. Außerdem wäre ich wohl auch in der Nachbetrachtung keiner der gekommen war um Leid zu verteilen. Wer also derart partizipiert hat, dem sei es auch heute noch vergönnt… „zwinka“
Aus Berlin einmal raus aufs Land zu ziehen, das war eine bewusste Entscheidung. Und inzwischen ist der Ort, an dem ich sein und bleiben will schon wieder in Frage gestellt. Ich habe jetzt jedoch zum ersten Mal das Gefühl eine Heimat zu haben. Auch wenn mir schon klar ist, dass Berlin, meine Heimat und mein Sehnsuchtsort, aber nicht mehr meine Zukunft und meine große Liebe ist. Es hat für mich noch immer denselben Status wie früher, aber das Wort Heimat kann man gar nicht so weit dehnen, dass es das, was ich meine, und das, was andere meinen, gleichzeitig umfasst.
Heimat, das ist der Resonanzboden unseres Lebens, welcher manchmal mitschwingt wenn die Dinge in Bewegung geraten und manchmal federt er auch vieles ab. 
Heimat hat sicher auch etwas Tiefes, etwas wichtiges, etwas, das uns wenn wir an sie denken, den nötigen Halt gibt…

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Foto/Text JK ©30/09/2016

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