Von Schuld und Trauer aber auch von Heimat…

Eigentlich bin ich wenn man weit zurückschaut ein Emigrantenkind und vielleicht wäre das ein schönes Versteck vor dem, was wir unseren Nachbarn in zwei Kriegen so angetan haben. Wieviel Leid und welche Schrecken haben wir in nur einem Jahrhundert hinterlassen. Wieviele Witwen und Waisen, wieviel Kummer, Sorge und Schuld.
Ich dachte lange Zeit an all die Schrecken und hatte das wunderbare Gefühl langsam einen Weg zu finden, einen der es einem ermöglicht wieder aufrecht zu gehen. Früh fing ich an erwachsen genug zu werden um Fragen zu stellen, auf die es oft nur ausweichende oder spärliche antworten gab. So war das damals, totschweigen war besser als bluten und was daraus erwuchs ist heute noch als 68er Bewegung in manchem Geiste.
Meine Erinnerung an das Fußball Märchen ist noch präsent und doch macht sich neues Ungemach breit. Es breitet sich aus wie das Reich, das sich nicht ernsthaft jemand zurückwünschen dürfte und doch macht sich neue Angst breit. Natürlich betonen heute die Schreiber und Verteiler, sie wollen ja keinen Hass schüren, immer jedoch wissend wie schnell sich diese Art von neuer Sturmflut im Netzt verbreitet. Sie suchen mit Begriffen bei google denn das haben sie schneller begriffen, als das was sie mit der Verbreitung anrichten. Sie suchen, verbreiten, und sie werden nicht müde dabei. Ganz im Gegenteil, man wird ja wohl seine Meinung mal laut sagen können und die Unterstützer der These stehen ja auch schon klatschend im Hintergrund bereit.
Ehrlich, sie haben nicht begriffen, sind in ihrem Tun verantwortungslos, dumm, oder einfach zu jung um die Tragweite ihres Tun zu überschauen.
Längst schon gilt die Schelte für die Politik nicht mehr einem Flughafen, einem Bauprojekt, von denen wir einige hätten die aus dem Ruder laufen, sondern einem falsch interpretierten Satz.
Doch wie kann man sich diesem neu entstehenden Hass entgegenstellen, wie sich wehren?
In Frankreich und England haben der Erste und Zweite Weltkrieg erhebliche Spuren hinterlassen und es gibt viele Erinnerungsstätten. Unsere, diese Geschichte verdient mehrere Blickwinkel und muss natürlich auch aus verschiedenen Blickwinkeln erzählt werden, um zu zeigen, dass der Schmerz und die Trauer im Grunde auf beiden Seiten dieselben waren, das es als ein erster gemeinsamer Moment der Annäherung verstanden werden konnte.
Habt ihr euch mal gefragt, wie und warum es nach all den Grausamkeiten welche wir unseren Nachbarn in gleich zwei Kriegen angetan haben, solch eine neue Brüderlichkeit heranwachsen konnte?
Es wird sich vielleicht nicht sofort bei jedem einstellen, aber ich sage es liegt an einer tief verwurzelten Sehnsucht nach Kultur. Dass selbst in kriegerischen Zeiten eine Verbundenheit durch Musik, Malerei, Literatur da war und eine Neugier auf den „Anderen“ geweckt wurde.
Dass heute, zu einer Zeit, wo der Nationalismus wieder an Fahrt gewinnt, wo wie schon einmal die Angst vor dem Fremden wieder geschürt wird, ist für die vielen Leidtragenden der Kriege zum Glück nicht mehr sichtbar. Die meisten sind bereits gegangen und wären sie noch unter uns, dann würden sie es mit Schrecken, Fassungslosigkeit und mahnendem Zeigefinger honorieren.

Und während die Angst geschürt, das Volk gespalten und der Hass scheinbar unaufhaltbar wächst, vergeben wir einfach die größte aller Chancen, den anderen einfach kennen zu lernen – durch Kultur…

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Foto Text JK ©16/09/2016

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