Aber, wenn, oder…

Ich wundere mich immer, dass man das selbstverständliche begründen muss und nicht das unverschämte.
Der Satz, der nun auch auf meinem Titelbild Platz fand, kam mir gestern Mittag, als die Zahl der Toten des Erdbeben in Italien von 28 auf 280 kletterte und man sich zeitgleich mit einem Filmbericht aus Nizza befassen musste, in dem 4 schwer bewaffnete Polizisten am Strand eine Frau zwangen aus ihrer Burka zu schlüpfen. Ein Bild, das wohl keinen Gott findet. Egal aus welcher Kultur er auch stammen mag und wie schwer er uns seine Religion aufzuzwingen bereit wäre. 
Und während ich mir noch Gedanken über die ganzen Aussagen auf Facebook mache, kommt Marina und haut ein: „Du musst nur lange genug abwarten, die widersprechen sich doch irgendwann selbst“, heraus. 
Eines haben sie mittlerweile alle gelernt von den Politikern, denn auch der letzte bedient sich mittlerweile an den vier Buchstaben, die sich zusammenfügen zur beliebtesten Konjunktion der Besserwisser, zur Allzweckwaffe irregeleiteter Ideologieverdreher und ewiger Bedenkenträger, die sich des Wörtchens immer dann bedienen, wenn sie mal wieder zum rhetorischen Präventivschlag ausholen. 
Da gibt es Sätze wie: „Ich bin kein Nazi, aber“…

und grade weil dieses kleine Bindewort „aber“, dem Sprechenden auf äußerst effiziente Weise ermöglicht, den vorangegangenen Halbsatz durch den darauffolgenden so wesentlich zu relativieren, dass sich die meisten Zuhörer sowieso nur noch an das „aber“ erinnern können, wird es zu einer der schillerndsten Relativierungen in unserem heutigen Sprachgebrauch.
Ich bin mir sicher, dass viele nur auf einen Zug aufgesprungen sind weil ihnen die heutigen, alteingesessenen Politiker zu abgestumpft und abgehoben erscheinen. Ja, Politiker haben es derzeit nicht drauf, Politik, schmackhaft für das hungrige Volk zu machen. 

Aber auch die Zeiten haben sich verändert und vielleicht bringen grade die vielen „Probleme“ den bitteren Nachgeschmack direkt an unsere Haustüren. 
Die Jüngeren unter uns wissen nicht mehr was Krieg im eigenen Land bedeutet. Brav hört man zwar den Alten zu, lässt sich berichten und bekundet eine gewisse Sehnsucht nach ewigem Frieden. Sie wissen nicht, dass ein Kennzeichnungsverbot schnell in ein Kennzeichnungsgebot umschlagen kann. 
Wir alle müssen umdenken, Sprache nicht neu erfinden, aber bereit sein Erklärungen zu geben. Denken ist gefragter denn je, speziell ein tieferes Nachdenken. Dies hilft auch gegen all jene, die uns rhetorisch, heuchlerisch einzuwickeln versuchen und mit ihrem „aber“ nur den erneuten Versuch unternehmen, ihre abweichende Haltung nochmals ins Spiel zu bringen, um sie uns letztlich als eine Art Allheilmittel zu verkaufen.
Und so sitze ich hier beim Morgenkaffee und nähere mich dem Ende meiner morgendlichen Depesche zu, natürlich nicht ohne über eine angemessene Grußformel nachzudenken. Vielleicht ist die heutige mein Ausdruck an den Grad der Vertrautheit zu meinen Lesern. Vielleicht ist es aber auch das Sehnen nach einer Zeit der Vertrautheit, einer unbeschwerten Lebenszeit in der man einfach gedankenlos leben durfte und in der es sich so herrlich von einer besseren Welt träumen ließ. Jene Vertrautheit die damals John Lennon an den Tag legte, als er davon sang vielleicht ein Träumer zu sein, aber auch einer der nicht einzig, nicht allein ist…
Mit freundlichen Grüßen… Euer Jürgen

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Foto/Text JK ©26/08/2016 

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