Sankt Trudpert im Münstertal, 3. Teil von 3…

letzter Akt mit Quintessenz
Irgendwann bemerkte ich einen Zusammenhang zwischen Dubai und dem schönen Sankt Trudpert und das obwohl man unterschiedlicher kaum daher kommen konnte. Früher schon ein mathematisches Genie kam ich hier tatsächlich auf die, ich gebe zu, etwas eigenwillige Gleichung, dass eine Woche Sankt Trudpert mit Vollverpflegung ebenso viel kosten, wie ein halber Tag Dubai ohne Verpflegung. Ich muss jedoch dazu sagen, dass auch hier das Maß aller Dinge, einzig meine Erfahrung war.
Mittlerweile bin ich wohl angekommen, hier, bei mir und überhaupt. Ich denke was mir gefehlt hat habe ich entdeckt und gefunden und werde nun nach dem Schlüssel suchen es nicht mehr los zu lassen. Eigentlich haben mich die Besucher des Klosters darauf gebracht. Im Garten sitzend sprachen sie mich oft nach dem Weg an und meist folgte dann die Frage, ob dies mein privater Garten wäre. Ich strahle mittlerweile wohl eine grundpositive Gelassenheit aus, dass niemand ein Problem darin sah mit seinem Problem bei mir anzuklopfen. Gelassenheit und nicht zu glauben, jede Situation sofort verarbeiten zu wollen oder zu müssen.
Irgendwo in meinem Kopf steckt noch eine wichtige Aussage, nämlich das Denken auf den Moment zu fokussieren und nicht beim Essen, oder beim Sport, oder beim Spaziergang schon an die nächste Attraktion zu denken. Bei sich bleiben, den Moment annehmen und auskosten und dazu gehört auch Gelassenheit.
Ich sitze in der Sonne und lasse es mir einfach gut gehen. Die Tage sind dahin geplätschert und ich spüre wie sich die Ruhe in mir ausweitet und ihre entspannende Wirkung verteilt. Immer wieder treffe ich in dem Mutterhaus freundliche, meist alte Nonnen. Sie vertreten sich die Füße und sind dabei konzentriert und freundlich. Nun steuert eine von ihnen genau auf mich zu und schaut meinem Sonnenbad eine Weile ruhig neben mir zu. Wir begrüßen uns und ich lasse mir die Gelegenheit nicht entgehen meine Fragen bei ihr abzuladen. So erfahre ich dass Sankt Trudpert ein Mutterhaus ist und etwa 50 Nonnen, teils auch sehr krank, hier Ihren Lebensabend verbringen.
Ich gehe in die Offensive und frage nach dem „Nachwuchs“ und philosophiere mit ihr über das Leben für Gott. Ich erfahre von früher und von großen Familien im ländlichen Bereich, die oft nicht viel hatten und die Mädels oft auch keine große Berufsauswahl hatten. Ich will da nichts herein interpretieren höre aber deutlich zu und versuche meinerseits den Bogen zur heutigen Zeit zu glätten. Ich frage mich ob es für manchen nicht besser und sinnvoller wäre sich einem Thema, meinetwegen der Klosterschaft hinzugeben, als ein lebenslang auf der Suche nach einem Sinn für sein Dasein zu suchen. Der Gedanke gefällt ihr und sie schmunzelt mich liebevoll an. Morgen ist Bohnenernte, es gibt immer etwas zu tun. Der Garten ist groß und wenn wir an einer Seite fertig sind, dann ist die andere Seite schon wieder bereit zur Arbeit.
Das Wetter meint es gut mit mir und irgendwie meinen es alle gut mit mir und so genieße ich Stunde für Stunde, Tag für Tag. Ein nettes Paar steuert auf mich zu, als ich wieder einmal die Abendstunde im Garten nutze. Die Sonne steht noch am Horizont und ich genieße ihre warmen Strahlen ebenso wie den leicht kühlen Wind der den Weg hinauf aus dem Tal macht. Hallo, dürfen wir eigentlich hier sein? Nun ich denke, jeder darf und wenn er so angemessen ruhig wie die zwei daherkommt, dann ist er zumindest bei mir auch willkommen. Wir tauschen uns aus, erzählen uns über uns, aber auch über die Erfahrungen die einem das Kloster bringt wenn man sich einlässt.

Es ist ein sehr angenehmes Gespräch und es bestätigt einmal mehr meinen Gedanken, dass alles im Fluss ist wenn man entspannt und gelassen auf einander eingeht. 

Die Zeit ist bereits fortgeschritten und so beschließe ich mich mal Richtung Zimmer aufzumachen und den Beiden, die noch in sichtbarer Nähe sind, eine meiner Visitenkarten zu überreichen. Ich hatte ihnen erzählt, dass ich wenn wieder daheim, in meinem Blog darüber schreiben und berichten werde. Nun werden sich die zwei Lieben hier auch wiederfinden, denn mittlerweile werde ich sogar bis in den Westen der vereinigten Staaten gelesen.

Es ist spät geworden als ich die Tür des Zimmers hinter mir schließe. Ich gieße mir ein Glas des Weines ein, hole mir ein Handtuch und drapiere es auf das Fensterbrett um mich dann genüsslich mit den Unterarmen darauf abzustützen und in den Abendhimmel zu schauen. Der rote Wein schmeckt fast so erdig wie die Luft die ich bereitwillig aufsauge. Diese Ruhe ist alleine schon ein Geschenk Gottes. Das Rindvieh schmatzt und wenn ich mich nur ein wenig nach vorne aus dem Erker lehne, sehe ich linker Hand die schmale Sichel des Mondes aufblitzen. Vor mir, genau geradezu macht sich derweil der große Wagen am Firmament breit und plötzlich spüre ich wieder diesen sagenhaften Frieden in mir. Alle sind gegangen, all die kleinen Sorgen und Nöte, all der Ärger, Kummer und Gram und was am Ende bleibt ist Gelassenheit, Liebe und der feste Wille die Dinge in Zukunft mehr in Gleichklang zu bringen und nicht jede Dummheit der Welt auf mich zu beziehen.

Ruhiger werden, vergeben können und lernen über den eigenen Schatten zu springen. 
Die Nacht ist stockfinster und nach dem 2. Glas Rotwein beschließe ich das Fenster aufzulassen und mich ins Bett zu legen. Eine Weile habe ich noch dem Sternenhimmel zugeschaut und bin dann völlig erschrocken, als mich der Wecker aus dem Schlaf riss.
Müdigkeit, woher kommt bloß diese Müdigkeit? 
Ich denke, jetzt bin ich wirklich angekommen und mein Körper hat sich mit mir darauf verständigt keine Spiele mehr zu spielen. So entlarve ich mein Nachholpotential an Schlaf nunmehr selbst. All der Stress der letzten Zeit legt sich nun ab. Der Tod des Vaters, der mir irgendwann ins Bewusstsein redete nun der letzte alte Nachkomme zu sein und auch irgendwann selbst gehen zu müssen. Den Stab dann an meinen Sohn weiter zu geben, damit er ihn irgendwann dann seinem Sohn, meinem Enkel geben kann. Der Lauf der Zeit, jeder Zeit. Die Alten gehen und die Jungen müssen dann sehen wie sie das Leben meistern. Einem gelingt es und anderen vielleicht weniger.
Das Frühstück ruft, ich nehme meine Pillen, renne euphorisch die Treppe herunter, welche mich jedes mal ob der Größe an die Serien Dallas beziehungsweise Denver Clan erinnert und freue mich auf mein Tischkärtchen.

Gibt es einen neuen Namen? Ist ein Chinese im Haus? Oder kommt heute der Papst?
Oh ja, es gab eine neue „Gegenüber“ 😉 nun ich hatte bereits im ersten Moment das Gefühl wenn du sie nicht ansprichst passiert Stunden, ja tagelang nichts.

Also legte ich los, erklärte ihr die Frühstückswelt und die Franzosen gleich mit. Sie erinnerte mich an eine alte Freundin und so nannte ich sie heimlich immer Petra. Ein Schelm der Böses dabei denkt, aber man könnte auch sagen, das Fräulein M. vom Amt. Irgendwann fiel mir dann aber doch auf, dass irgendwas mit ihr nicht so ganz stimmt. Sie fiel immer wieder zurück ins Verhaltene und obwohl sie dann doch am sprudeln war hielt sie sich plötzlich immer wieder inne. Es dauerte eine halbe Ewigkeit, bis sie mit überkreuzten Beinen vor mir stand und sich ein „ich bin zum Schweigegelübde“ hier heraus stammelte. 

Ich war sprachlos und das nur um sie nicht weiter herauszufordern. 😉 Hätte sie mir doch sagen können!! Ok, aber genau darum nannte ich sie ja Petra.
Mittags gab´s dann nen anderen Krawall. Auch Gruppen können sich zum Essen anmelden und taten dies auch regelmäßig. Da wurde mir einmal mehr eine Falle in Sachen Gelassenheit gestellt. Als wenn mich der liebe Gott testen wollte, schickte er mir eine Gruppe Kulturbanausen, natürlich mit einem Oberindianer.

Ich war bereits beim Hauptgang als die polternd und lautstark ihr Schlachtfeld betraten. Das erste was mir durch den Schädel ging war, warum brüllt der Häuptling so und warum hat ihm Gott nur so eine krächzende Stimme gegeben. 
„Meine Cranach Sammlung, also die Cranach Sammlung, ja meine Tante mütterlicherseits war eine Herzogin von und ihr Neffe väterlicherseits hatte eine Großcousine dritten Grades….“  
Oh mein Gott, vor drei Tagen noch hätte ich ihn gefragt ob das mit der Verwandtschaft auch leiser geht und nun, saß ich da, schaute der alten Dame am Nebentisch in die Augen und wir lachten herrlich drauf los. Natürlich hat das den Kaspar vom Lucas nicht geärgert, noch gewundert, noch erregt, aber egal, für uns war es ein Zeichen purer Gelassenheit.
Der Tag war dann geprägt von Spaziergängen und ohne weitere Cranach Ausführungen. So wie der Ururenkel gekommen war, war er auch wieder gegangen.
An diesem Tag dachte ich noch viel nach, über mich, über Marina, über unsere noch verbleibende Zeit hier auf Erden und auch schon ein wenig an meine Freunde auf Facebook, die sicher schon auf meine Geschichte warteten. 
Der Besucherstrom zum Kloster schien scheinbar nie abzureißen, nur nachts stellte sich dann Ruhe ein. Ich beschloss meinen letzte Tag hinreichend auszukosten. Unterhielt mich lange Zeit mit einer älteren Französin und traf auch noch einige Nonnen denen ich ein freundliches hallo entgegnete. Am späten Abend genoß ich dann mein letztes Abendbrot und bei meinem letzte Rundgang durch „meinen“ Garten überkam mich dann doch jene wundervolle Melancholie, von welcher man behauptet, sie wäre nur der traurige Ausdruck vom richtig glücklich sein.
Es war spät geworden und ich stand wie fast jeden Abend an meinem Fenster in dem Erker und schaute zurück auf einen schönen Tag und auch auf das Firmament welches mir zum Abschied noch einmal in voller Pracht zu winkte. Die Abendluft schlich sich wie immer an meinem Fenster vorbei durchs Tal und doch war sie heute wärmer als noch gestern und auch die Stimmung war noch ein wenig bleicher als die Tage zuvor. Es war als wolle mir wer noch einmal mit letzter Kraft den Abschied versüßen und so genoß ich mit meinem letzten Schluck vom guten Rotwein den Abend und die beginnende letzte Nacht. Das Rindvieh lag verteilt auf der großen Almwiese, der Parkplatz am unteren Teil des Klosters war wie leergefegt nur ab und zu trafen sich zwei Scheinwerfer auf der entfernten Hauptstraße, welche sich durchs Münstertal hinauf schlängelt.

Die Grillen zirpten eine leise Melodie und die Turmuhr des Münster verkündete mit 23 Schlägen, 23 Uhr. 3 Schläge je Viertelstunde und weitere elf für 23 Uhr.
Ich wollte schon das Fenster auf Kipp stellen und mich auf ins Bett machen, da wurde meine Aufmerksamkeit auf zwei Fratzen geleitet, welche scheinbar wie aus dem Nichts vor dem Kloster hin und her sprangen. Hier, hier ist einer. Wo, wo zeig mal, ach ja ich sehe ihn auch, fang ihn oh fang ihn doch…
Die Realität hatte mich eingeholt, „Pokémon“

Es waren zwei Jugendliche auf dem Vorplatz des Klosters, ihre Gesichter waren als punktiert helle Fratzen erkennbar, das vom Display ihrer Smartphones angestrahlt wurden, wo hingegen der Rest sich mit der Dunkelheit der Nacht vermischte. Ich hätte fast lauthals losgelacht und mir wurde klar, dass selbst die Sinnlosigkeit des Pokémon scheinbar Freude und Spaß verbreiten kann, wenn man sich nur darauf einlässt.
Das letzte Frühstück, ich genieße noch einmal und verabschiede mich von allen. Wünsche eine gute Zeit, Erfolg bei allem und Glück auf allen Wegen. Es fällt mir schwer zu gehen, denn meine Zeit war sehr schön und ich habe jede Sekunde genossen. Nun ist es an mir die Dinge umzusetzen, nicht gleich schwer zu atmen wenn mich etwas aufregt, sondern erst einmal runter zu kommen um dann besonnen zu reagieren. Ich bezahle meine Rechnung und lasse die kleine Dankesrede ab, die mir angemessen und wichtig erscheint. 
Nun wo sie für mich da waren, nehmen sie auch gerne ihren Zins für all die Wohltaten die sie mir zu Teil kommen ließen. Langsam gehe ich durch die große schwere Türe, durch die ich einst gekommen und ich nehme Abschied, aber es wird kein Abschied für immer sein. Nein, ich komme wieder und darauf freue ich mich bereits heute.
Marina wird mich nun bald abholen kommen und ich bin mir sofort darüber im Klaren, dass nicht jeder die Zeit, das Geld, noch die Muße hat diesen Weg zu beschreiten. Für mich war er wieder einmal wichtig und mein funktionierender Rauchmelder hatte durch sein Anschlagen einmal mehr mein Wohlbefinden gerettet. 

Meine Quintessenz ist daher recht einfach und der Zufall hat mich direkt an ihr vorbei geführt:

Denke an den Wert des Augenblicks 

aus ihm wächst die Unendlichkeit.

Hier, an dieser Innschrift auf diesem Felsstein 

am Fuße des Klosters Sankt Trudpert 

steht meine quietschbunte Reisetasche 

und gemeinsam warten wir ruhig, ausgeglichen 

und eine Erfahrung reicher auf das, 

was mir zu jeder Zeit und Stunde das liebste war, 

die Liebe…..

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Foto/Text JK ©08/2016

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