Die Königin der Nacht…

Na klar erzähle ich diese Geschichte aus meiner Männer Sicht, jedoch gehört ja auch eine Frau dazu, oder besser zwei, so könnte man hundert Prozent auch nach einem König schreien.
Als ich Anfang der 90er Jahre, des vorigen Jahrhunderts ein Lied von meinem Liebling Klaus Hoffmann hörte, gingen mir die vielen, oft verlogenen, Geschichten durch den Kopf, die am Ende zu einem one Night stand führen. Aber es gibt auch andere Geschichten, jene in die du reinrasselst ohne je einen Plan gehabt zu haben. Menschen sind von Grund auf einfach gestrickt, sie funktionieren nach dem Prinzip Liebe und Anerkennung.
So geht man auf in seinem Beruf und führt ein anerkanntes Leben, mit Haus, Kind und Kegel. „Mann“ würde die Hand dafür ins Feuer legen, dass alles schick und gut ist. Doch dann plötzlich auf irgendeiner dieser eh langweiligen Geschäftsreisen passiert es. 

Du sitzt in einer der trostlosesten Hotelbars, in der Ecke spielt ein Typ leise Musik auf einem Flügel und du überlegst genau in der Minute zu zahlen und ins Bett zu gehen. 23 Uhr, zu früh um zu schlafen und zu spät sich noch ein Taxi zu nehmen um im Nachtleben zu versinken. Und wo auch hin, fremde Stadt, fremde Straßen, fremde Menschen.
Es ist ein trostloser Moment, und grade kurz bevor du wieder mal deiner Kreditkarte all deine Last aufdrücken willst, geschieht unglaubliches. Ein blondes Geschöpf betritt den Raum und steuert zielstrebig auf dich zu um dir mit einer derart erotisierenden Stimme, ein guten Abend einzuhauchen.
Rums…

Was wollte ich grade, ach ja zwei Drinks bestellen und das zügig. 

Ein nettes Wesen, und diese Augen, die zarte Haut, ein Traum, seufz.

Du erzählst deine Geschichte, sie ist begeistert wie du von deiner Frau, deinen Kindern erzählst. Fängt ihrerseits an ihr Leben auszubreiten und alles klingt ebenso fantastisch. Irgendwann jedoch nimmt der Talk eine Wendung, es geht leiser zu, Komplimente finden ihre Abnehmer. Es entsteht dieses schöne prickeln, von der Bier Werbung im Bauchnabel, jedoch ist es eben nicht das Bier. Nein es sind die ureigenen Instinkte, die nun bereits dabei sind dich in eine verdammte Zwickmühle zu manövrieren, aus der du unter Umständen nie wieder entrinnen kannst. Und ich betone hier noch mal, es sind zwei Seiten denen diese oft nicht sichtbare Gefahr droht.
Im Verlauf der Nacht entwickeln sich plötzlich Gefühle. Gefühle, die man nicht bereit war zuzulassen. Aber ob nun vom Champus, oder weiß der Geier wo her hat es euch erwischt.

Anfänglich war es nur ein Tanz, doch der Pianospieler wusste was er jetzt auflegen musste. Die Musik wurde zärtlicher wie die vorsichtigen Berührungen der Protagonisten dieser Nacht.
Die Bar wird mittlerweile leerer, es ist 3 Uhr und auch der Barmann hat schon alle Gläser geputzt. 

Man zahlt zähneknirschend und fährt gemeinsam in Richtung der Zimmer. Auf einem endlos und öde scheinenden Flur folgt dann die Verabschiedung. 
Hier und jetzt entscheidet sich dein Leben. Plötzlich haben zwei Menschen alles in ihrer Hand, was über Jahre aufgebaut und einst mit Liebe besiegelt wurde.
In dieser Nacht entscheidet sich das Leben neu. Du bist von diesen one Night stand Geschichten deiner Freunde immer angewidert gewesen und kürst heute Nacht eine neue Königin, deine Königin. 
Natürlich braucht es eine Zeit bis du das alles selbst kapierst. Aber am Ende kann eben eine Geschichte stehen, die dich selbst überfordert und die dir irgendwann auch das Genick brechen kann. Es gibt kein Entrinnen. Alle Verantwortung liegt bei uns selbst und wir müssen damit klar kommen, wie auch immer, zumindest einem Menschen sehr weh zu tun.

Es gibt keine Schuldfrage denn die Schuldfrage lässt sich nicht stellen. Hat man doch in der Bar gesessen und berichtet wie toll das eigene Leben ist. Hat man nicht geschwärmt von Frau, Haus und was auch sonst noch. 

Nein, was folgt ist wie in der kleinen Hotelbar nun am Ende die Abrechnung. Bezahlt wird mit dem teuersten was wir haben, mit unserem Gewissen.

Und dann, was folgt, was nun???

Bleib Bei Mir wäre eine Lösung. Aber diese Lösung ist schonungslos, sie verlangt nach Ehrlichkeit, Erklärung und einem Arsch in der Hose, den leider die wenigsten Menschen haben.

Aber…sie verlangt dann auch nach einem Partner, der all die Irrungen und Wirrungen mitgeht. Es muss schon gute Gründe haben wenn ein Partner dieses am Ende tut und vielleicht, ja vielleicht ist es am Ende grade die Überlegung nicht auf einen one Night Standler hereingefallen zu sein, die einem noch mal die bereits gelegte Schlinge um den Hals öffnet.
Das Lied von Klaus Hoffmann möge daher allen eine Warnung sein aus sich selbst keinen Narren zu machen, der am Ende heulend vor einem Berg an Schularbeiten sitzt…

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Bleib Bei Mir

wir fangen nochmal ganz von vorne an

Bleib Bei Mir

und geh mit mir ans Licht

Bleib Bei Mir

ich war kein Prinz, ich war ein Bettelmann

Bleib Bei Mir

verzeih, ich täuschte dich
da war vor Jahren

eine Königin

die hielt sich einen Narren

der ihr Lieder sang

lebenslang

für ihre Tränen Feuer fing
Bleib Bei Mir

du wirst nicht mehr die Zweite sein

Bleib Bei Mir

was war ich für ein Kind

Bleib Bei Mir

wir müssen nicht mehr gute Lügner sein

Bleib Bei Mir

wir können werden, was wir sind
der Narr blieb treu

für seine Königin

doch seine Liebe nahm ihm alles Licht

er sah es nicht

jede Frau trug ihr Gesicht
Bleib Bei Mir

doch wenn du gehen mußt, tu was du willst

Bleib Bei Mir

die Zeit heilt jeden Riß

und wenn mein Herz

mit seinen Schularbeiten fertig ist

dann weiß ich erst

wie sehr ich dich vermiß

Lied Text ©Klaus Hoffmann

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Foto/Text JK ©22/07/2016

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