Rückbesinnung oder wie schreddert man ein Leben… 

Totale Befreiung zu erreichen wird für viele immer wichtiger. Viele Menschen haben erkannt woher die Last wirklich kommt, die uns Menschen so zu schaffen macht, ja so erdrückt.
Das gesamte Leben Schreddern, aber nicht „das gelebte“, sondern nur die Last, die wir Aufnahmen, oder von der wir das Gefühl hatten sie aufnehmen zu müssen. Die vielen Kleinigkeiten, das gesamte Sammelsurium, das jetzt unseren Wohnraum und die Taschen der Hose beengt. Vieles haben wir gekauft und hatten es doch eigentlich nur so lange im Kopf, bis es seinen ersten Reiz verlor. 
Darauf mich mit dem Thema zu beschäftigen, kam mir, als ich mich einer Einladung nach Basel widmete. Kunst war das Stichwort, „Sculpture on the Move“. Die grosse Sonderausstellung anlässlich der Eröffnung des erweiterten Kunstmuseums Basel will die höchst dynamische Entwicklung aufzeigen, wie die klassische Vorstellung und Form von Skulptur in Bewegung gerät, wie sie abstrakter wird, sich dem banalen Alltagsobjekt annähert, sich räumlich oder konzeptuell entgrenzt, aber auch in einer Rückbesinnung auf die figurative Tradition neu konstituiert.
Klingt erstmal nach Jürgen?? Ja, ich weiß, aber neulich sprach ich mit einer Freundin, die war kurz vorm Burnout und was hast du gemacht fragte ich Sie nicht ohne im Kopf zu haben, auch sehr nahe dran zu sein. Jedenfalls manchmal!
Aber jetzt zu der Freundin…
….sie hat einfach ihr Smartphone weggeschmissen und nutzt, da sie muss, ihr MacBook nur noch als Schreibmaschine. 
Diese Rückbesinnung auf das was war, den >Ist Zustand< verlassen um sich einfach 20 Jahre zurück zu Beamen, hat ihr vielleicht sogar am Ende das Leben gerettet. 
Da fing es bei mir an zu rattern und zu rattern und so kam ich auf viele Dinge, die uns alltäglich nerven, oder belasten und eher stören. 

„Wir“ waren es, die die Scheisse angesammelt haben und nun stundenlang auf der Toilette zubringen müssen um alles herunterzuspülen und aufzupassen, dass nichts verstopft. iPhone und Co machen uns zu ihren Sklaven und die sozialen Netzwerke sind keines Wegs so sozial wie sie sich gerne geben. Wir finden Freunde schneller, können kurzfristig kommunizieren, uns austauschen und genau da hakt es. Früher trafen wir Menschen, waren hocherfreut, luden uns auf einen Kaffee ein und plauderten munter drauf los. Heute sehen wir ihn täglich und merken, dass er in unseren Augen ab und zu ganz schönen Mist daher quatscht und fangen womöglich an ihn zu hassen. 
Ok, das war jetzt natürlich der Extremfall, aber es passiert, tagtäglich immer öfter. 

Durch die ständig größer werdende Zahl an Meldungen werden wir gar gekocht und explosiv.
Neulich habe ich genüsslich 100 Gläser, erster Wahl, in den Glascontainer entsorgt. Ich denke das waren mindestens 2000 Euro. Mit jedem Glas wuchs bei mir die Freude am gewonnenen Platz und an der neuen Übersicht im Glasschrank. 

Oder wer kennt das nicht, irgendein Ding das uns einer mal am Markt oder im Kaufhaus gezeigt hat. Bow wie genial und dann, zu Hause angekommen, entweder verstaubt es in einer Schublade, oder wir stellen fest, dass der Putzaufwand im Nachhinein viel größer als der Nutzen ist.

Wir haben heute fast alle mehrere Fernseher und wenn wir vor einem einzelnen sitzen meckern wir schon über das scheiß Programm.

Heute Abend läuft auf Arte „bis ans Ende der Welt“ eine Art Roadmovie, gedreht von Wenders. Der Film, der uns eigentlich in eine Apokalypse trägt, die wir nicht umgehend verstehen, zieht sich über 5 Stunden und ich werde ihn trotz seiner gewaltigen Länge an einem Fernseher sehen und nicht die anderen drei Zimmer und deren Fernseher besuchen. Wobei der erste Kinostreifen vergleichsweise zu kurz war. Erst zehn Jahre später fertigte Wim Wenders einen Director’s Cut an, der die fünfstündige Länge des Films wieder herstellt. Diese Fassung wurde zusammen mit vielen anderen seiner Filme von seiner neu ins Leben gerufenen Stiftung restauriert und digital neu aufgelegt. Spannend für jeden der Bilder mag und sich nicht zu sehr an Dialogen ergötzt.
Ich denke ich werde für mich einen Weg finden mich zu entlasten. Das ganze Leben war ein einziger Volldampf und es wird Zeit sich rück – zu – besinnen. Rückbesinnen, auf ein Leben ohne Schnörkel. Auf ein Leben, das nur einem Luxus huldigt, der Zeit.

Sie ist die Königin und wer sich ihr hingeben kann ist ein König. 

Wer nicht mehr getriebener seiner selbst ist, 

wer sich befreit von allen überflüssigen Lasten, 

der wird erkennen, dass das Leben lebenswert ist, 

zu jeder Zeit war, 

und auch im höheren Alter,

mit entsprechender Erkenntnis, 

wieder sein kann…

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Foto/Text JK ©15/06/2016

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