Alles im Fluss….

Meine Worte wiegen sich nicht mit Gold auf, oder gehen gar dagegen in eine Art Wettbewerb. Wenn ich etwas zu sagen habe, dann tue ich es und zwar oft so wie mir die Berliner Schnauze gewachsen ist. Wenn ich einen Text wie beispielsweise diesen hier veröffentlichten schreibe, dann würde ich irgendwie von irgendwas infiziert. Dann wird nicht lange überlegt, ein Skript gemacht und sorgsam Worte aus dem Hut gezaubert.

Nein alles was ich brauche ist in mir. Es liegt wie auf Abruf bereit und manchmal schon verstaubt in der Ecke herum, so wie die eine oder andere Metapher mit der so manche Freundin schon Probleme hatte, weil es ihr nicht gelang über den eigenen Tellerrand zu blicken.

Ich mache all denen keinen Vorwurf denn oft waren sie zu sehr mit den eigenen Eitelkeiten beschäftigt, als dass sie drauf gekommen wären, dass ihnen wer den Spiegel vor die Nase hält. Natürlich bringt mich dies einerseits zum schmunzeln und andrerseits macht es mich auch wütend.

Aber ok auch die Kuh auf dem eigenen Felde zu sehen muss gelernt sein und damit wären wir wieder beim Punkt. Reden kann man nicht automatisch. Es erfordert ein hohes Maß an Gefühl und an innerer Ausgeglichenheit sowie eines hohen Selbstwertgefühl. Mit Selbstbewusstsein hat das im übrigen wenig zu tun, sehen wir ja heute schnell im rechten Rand des politischen Alltag.

Auch ich habe in den frühen 80ern lernen müssen und das immerhin trotzdem ich Frontmann einen Band war. Auch ich habe gelernt mich vor eine Kamera gestellt und war erschrocken wie ich da nach Sichtung rüber kam.
Ich erinnerte mich damals an Martin Luther King er war damals als Letzter an der Reihe. Er hatte 1963 eine ausgeklügelte Rede in der Tasche. Bis vier Uhr früh hat er mit seinem Berater Wyatt Walker an dem Manuskript gefeilt. Und der hat ihm eingeschärft, bitte auf jene Formulierung zu verzichten, die Pfarrer King in seinen Predigten so gern verwendet: »I have a dream« – »Ich habe einen Traum«. Das klinge abgedroschen, sagt Walker. Dieser Augenblick sei historisch, darum müsse auch die Rede einzigartig sein.

Martin Luther King beginnt zu sprechen. Es ist ein Heimspiel. Er kann es nicht verlieren. Trotzdem – seine Rede zündet nicht.

King hat sich mit beiden Händen auf das Pult gestützt. Seine Botschaft ist dringend, auf jede Formulierung kommt es ihm an. Darum liest er den Text ab.
(Übrigens genau so deppert wie ich in meinem Schulungsfilm)
Vielleicht ist es die Sommerhitze, die diese Rede zu einer der größten der Weltgeschichte macht. Vielleicht ist es das Publikum, das dem ehrgeizigen Redner alles abverlangt.

Vielleicht ist es aber auch Mahalia Jackson, die ihm leise zuruft: »Martin, tell ’em about the dream« – »Martin, erzähl ihnen von deinem Traum«.

Die Bisherigen Sätze waren geschliffen – doch der Funke springt nicht über.
Gerade hat King den Zuhörern den Missionsauftrag erteilt: »Geht zurück nach Mississippi, geht zurück nach South Carolina …« Da ruft Mahalia Jackson noch einmal, jetzt lauter: »The dream, Martin!«
Endlich reagiert Martin Luther King und er löst sich vom Manuskript und ruft einfach so in die Menge: »I still have a dream.«
Was dann geschieht, ist heute ein Teil der amerikanische Geschichte.

Und so werde ich mich weiter treiben lassen.

Manchmal kann ich garnicht schnell genug schreiben wenn mich wieder all die Signale aus dem Kopf erreichen und dann hacke ich auf der Tastatur herum wie ein durchgeknallter Storch.

Aber es ist nun einmal so, erst kommt die Inspiration, dann folgt die Exkursion. Die Exkursion durch meinen Schädel, wo sich das Erlebte mit der Gegenwart trifft um Zukunft zu werden.

Was eben noch nicht geschrieben ist oft bereits nach einer Stunde schon Vergangenheit. Marina ist ab und zu Zeuge dieses Vorganges und sie hat sich daran gewöhnt einen neben sich zu haben, der grade tief in seiner Seele kramt um Gedankenreime zu formulieren die er in einen seiner Mac´s haut um sie seinen Lesern zur Verfügung zu stellen.
Viele meiner Leser kennen mich bereits privat und für mich sind alle unterschiedlich C´est la vie, das ist das Leben. Aber doch eint alle ein Gedanke den sie im Bezug zu mir teilen. Es sind die wundervollen Worte:
„Du redest ja wie in deinen Texten, authentisch und im Fluss, es kommt mir vor als kennen wir uns schon ewig…..“
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Foto/Text JK ©04/05/2016

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Ein Kommentar zu „Alles im Fluss….

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