Die Nacht ist nicht allein zum schlafen da…

Wir schreiben das Jahr 1973, Sternzeit …. 
Nein keine Panik, hier geht es nicht um Kirk & Co.

Es war einer jener Wintertage an denen man lieber hätte im Bett bleiben wollen. 

Aber nicht alles im Leben entwickelt sich wie ein Wunschkonzert.
Als ich mit Marina grade im ersten Liebesgezwitscher war, da war die Welt noch eine andere. Argwöhnisch hatte man diesen ganzen Hippie Quatsch ertragen müssen und nun kam die nächste Welle aus England herüber geschwappt, „der Mini“. Die Mädels trugen kurz und auch darunter wurde aufgerüstet. Ich kann mich noch an die Ordensschwestern erinnern, die das Schwesternwohnheim, in dem Marina wegen ihrer Ausbildung zur Kinderkrankenschwester wohnte, zur Festung erklärten.
Halt, stop, alles nur keine Männer in unseren Heimbetten…!
Tja und da stand man sich nun wieder einmal an der Tür gegenüber. Der Blick von der Nacht noch schwer geschwängert, die Haut eher ins weiß getaucht, da ja auch die Sonne hinter den so oft geschlossenen Vorhängen ausgeschlossen war. 
Nur nicht auffallen War die Devise und so wurde alles verrammelt und rauchen genauso wie zu laute Geräusche vermieden. 
Manchmal standen wir trotzdem, am einen Spalt breit geöffneten Fenster und teilten uns hastig eine Zigarette. Löffelchen-Rauch-Stellung hätte man es nennen können. Die Kalte Luft zog dann direkt auf unsere fröstelnden Körper und sorgte dafür, dass wir noch schneller am Glimmstängel saugten um danach schnell wieder in die Kiste zurück hüpfen zu können. 
Immer zwei Schwestern teilten sich so eine Wohnung. Zwei kleine Räume, mit einem Bad und einem Miniaturflur, bum, das war es schon. 
Ach halt, na klar der obligatorische Jesus am Kreuz hing noch in jedem Zimmer und ich hatte schon damals das Gefühl er beobachtet uns nur, damit er ein leichtes schmunzeln ins sonst eher trübe Gesicht bekommt.
Der Abschied war jedesmal aufs neue eine durchdachte Geschichte. Es durfte nichts schief gehen. Prüfende Blicke auf dem Hauptflur der außerhalb der kleinen Wohnung lag und dann ein konsequentes GO etwa 25 Meter ohne Versteckmöglichkeiten Richtung Ausgang.
Und da stand man nun, befreite im Winter den VW Käfer vom Eis und fror sich dabei die noch warmen Gedanken wieder ein. Es war ja schon ein guter Erfolg wenn man ins Innere des Autos gelangte, denn oft war schon eine vereiste Türdichtung eine lästige Hürde.
Heute muss so eine Kiste ja restlos befreit sein bevor man am Schlüssel dreht. Früher, und nicht nur der warmen Gedanken wegen, reichte auch ein großer Strich in Augenhöhe vorne und ein wenig hin und her am Ende des Käfers. 
Mittlerweile hatte sich auch die Straße gefüllt. 

Denn still und leise, nach und nach, Schlich auch der letzte Liebhaber aus den Federn des Wohnheimes. 

Die Mädels mussten zum Appell und da gab es schon genug Kommandeure,

die auch respektvoll Nonnen genannt wurden.

So standen wir da, die Kippe in der Seitenlage des Mundwinkels und immer schön im Rhythmus des Zitterns die Scheiben frei schabend.
Die letzte große Hürde war dann das Anspringen der Karre und wenn die genommen war, dann zog man mit qualmendem Auspuff vorbei an all den müden Gesichtern, denen man ansah, dass sie in ihren Gedanken noch ganz woanders kratzten….

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Foto/Text JK ©19/03/2016

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