Der Judas in uns…

Judas, war das nicht einer der 12 Apostel Jesu von Nazareth, dem das Neue Testament nachsagt der Jünger, der Jesus auslieferte zu sein?
Ja, aber…

…bis heute sind die Beweggründe nicht klar und es gibt so ich weiß, 4 Interpretationen dazu.

Wer war Judas?

Verräter oder Heilsbringer?

Die verrufenste Gestalt des Christentums oder Freund Jesu?

Der Judaskuss, der sich in vielen Bildern über Jahrhunderte gehalten hat, steht für eines der schlimmsten menschlichen Vergehen, den Missbrauch von Vertrauen eines Freundes.

Er ist bis heute ein Synonym für einen irreparablen Vertrauensbruch.

Er steht für Unaufrichtigkeit ebenso wie für eine geheuchelte Freundschaft.
Es fuhr aber der Satan in Judas“ heißt es da und auch Jesus prophezeite vorher schon Unangenehmes indem er sagte, „wehe dem Menschen, durch welchen des Menschen Sohn verraten wird.“

Von Judas erzählen alle vier Evangelien, jedoch mit unterschiedlicher Schwerpunktsetzung.
In einem gleichen sich jedoch alle:
In allen kommt Judas schlecht weg, denn Judas gilt als Inkarnation des Bösen, als der Verräter schlechthin. Sein Verrat steht am Beginn des Leidensweges Jesu, der mit der Kreuzigung endet. Der Verrat hat seit diesem überlieferten Ereignis einen Namen, Preis, ja ein Symbol.

Judas ist Seither ein Scheusal, ein Nichtswürdiger der aus niederen Bedürfnissen den verrät, von dem er geliebt wird.
Habt ihr Euch mal gefragt, was wäre, hätte Judas ihn nicht verraten. Oder warum es einen Judas brauchte, bei so einem Bekannten Mann wie Jesus, von dem doch jeder wusste in welchem Bett er grade liegt.

Eine spannende Frage wäre auch:

…passt es überhaupt zur christlichen Lehre, dass Jesus seinen eigenen Gefolgsmann ins „offene Messer“ laufen und somit bewusst zum Verräter werden lässt? So betrachtet hätte Judas zumindest gewusst, dass er das größere Opfer vollbracht hat, denn Jesus wurde zwar gekreuzigt, jedoch anschließend verehrt. Judas aber ist mit Schimpf und Schande in die Geschichte eingegangen und bis heute nie rehabilitiert worden.

Heinrich Böll, einer unserer bedeutendsten deutschen Schriftsteller der Nachkriegszeit, sagte dazu folgendes: „Es ist schon merkwürdig, dass dem Petrus die dreimalige Verleugnung eher den fast liebenswürdigen Kredit menschlicher Schwäche eingebracht hat; dreimal und in welcher Situation des Hohnes und der Verlassenheit! – krähte der Hahn, es weinte einer bitterlich und wurde später der erste Papst. Der andere, Judas, warf die Silberlinge in den Tempel, bekannte, er habe unschuldig Blut verraten, verzweifelte und beging Selbstmord. Man muss, so meine ich, wenn man über den Fall Judas liest, immer den Fall Petrus in Ergänzung dazu denken, die beiden Karrieren dagegenhalten.“
Wenn ich einmal auf die heutige Zeit schaue, welche uns vor extrem schwere Aufgaben und Entscheidungen stellt, dann sehe ich auch einen Judas in vielen Menschen. Seien wir doch einmal ehrlich, wer stellt sich heute schon gegen einen aufgebrachten Mob und argumentiert Fromm und Frei über die Themen unserer Zeit. Wer hat soviel Rückgrat seine Ansichten, Meinung und damit ja irgendwie auch seine Gesinnung kund zu tun?
Könnt ihr Euch noch an meine Worte erinnern?

Wären wir nur endlich bereit uns so zu sehen, wie wir sind, und nicht so, wie wir sein sollten.

Und weiterführend würde ich gerne sagen, wann geben wir unserem Gegenüber endlich zu verstehen, dass seine Sehnsucht in uns einen Verbündeten zu sehen von uns nicht erfüllt wird.
Am Ende müssen wir uns immer nur mit einer Frage beschäftigen:

Was habe ich getan, gedacht, gemacht, wo liegt meine Verantwortung und somit eventuell auch meine Schuld. Ich habe einmal sinngemäß geschrieben, dass für mich das eigene Gewissen die oberste Instanz bedeutet, dazu ist es aber von absoluter Notwendigkeit weder Angst noch Scham vor der eigenen Meinung, respektive vor dem eigenen Wissen zu haben.
Ehrlicherweise können wir den Verräter Judas nicht schlechter stellen als den Verleugner Petrus, wie die versagenden Jünger alle.

 

Wenn man hier ohne Hinterfragen und genaueres Wissen eine Schuld-Grenze zieht, dann wird zweifelhaft, wo wir heute bleiben, die wir oft bei unseren streitbaren Auseinandersetzungen allzu selbstverständlich uns innerhalb ähnlicher Grenzen wähnen?

Wären wir nicht alle kleine Versager und oft auch Verräter…!?!

.

Foto/Text JK ©20/02/2016

.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s