Wir waren Helden…

„Heroes”, der Titel des Songs von David Bowie, erschien 1977. Das Stück handelt von zwei Liebenden, die im Schatten der Berliner Mauer zusammenkommen. Der Titel entstand in West-Berlin als Teil von Bowies Berlin-Trilogie und ist einer der wenigen international bekannt gewordenen Popsongs über die Berliner Mauer.
Die Aufnahmen entstanden zwischen Juli und August 1977 im Hansa-Tonstudio 2, das sich knapp 200 Meter von der Berliner Mauer entfernt befand und als Studio by the wall eine besondere Bedeutung in der Musikgeschichte einnahm. Vom Sitz des Produzenten aus sah man direkt auf einen Wachtturm der DDR-Grenztruppen und laut Iggy Pop, der dort im selben Jahr Lust for Life aufnahm, winkten die Grenzsoldaten gelegentlich hinunter ins Studio.
Prägende Inspiration für das Lied war laut Bowie zum einen ein Gemälde von Otto Mueller mit einem ähnlichen Motiv, zum anderen der Anblick eines Liebespaares, das sich im Schatten der Mauer küsste. Produzent Tony Visconti nahm für sich in Anspruch, das Bild erzeugt zu haben, als er die Sängerin Antonia Maaß umarmte und Bowie zufällig aus dem Fenster der Hansa-Studios schaute. Bowie beschrieb die Szene im November 1977 im New Musical Express so:
„Das ist eine Mauer neben dem Studio. Sie ist ungefähr 20 bis 30 Meter entfernt vom Studio, der Regisseur schaut direkt darauf. Ein Geschützturm thront auf der Mauer, in dem die Wachposten sitzen, und jeden Mittag trafen sich ein Junge und ein Mädchen darunter. Sie hatten eine Affäre. Und ich dachte: Von all den Orten, an denen man sich in Berlin treffen kann, warum sucht man sich da ausgerechnet eine Bank unter einem Wachturm an der Mauer aus?“
Unmittelbar nach der Veröffentlichung sagte Bowie, bei den Protagonisten des Liedes handele es sich um ein unbekanntes Paar, aber laut Visconti, der zu dieser Zeit mit Mary Hopkin verheiratet war, gab Bowie dies nur vor, um ihn zu schützen.
Um es vielleicht gleich mal vorweg zu nehmen, wir haben uns nie persönlich getroffen. Bowie der mehrere der 70er Jahre in der Hauptstraße in Schöneberg wohnte besuchte den Kiez damals schon nur mit Voranmeldung. Er schickte zum Beispiel gerne Iggy Pop vor um nicht auf zu große Menschenansammlungen zu treffen. So verkehrten wir oft als Musiker im Quartier Latin, heute das Wintergarten-Varieté, gingen in den „Dschungel“, damals Berlins berühmteste Diskothek an der Nürnberger Straße. Und natürlich zu Romy Haag, in ihren Nachtclub an der Fuggerstraße, dort war Bowie Stammgast. Transvestiten-Stars wie Romy Haag soll ihn auch ursprünglich eimal nach Berlin gelockt haben.

Das war damals eine eigenen Welt, es hatte einen speziellen Flair dem grade wir Musiker uns nicht entziehen wollten. Berlin zu erleben in einer Zeit der Insellage und sich einfach in den nächtlichen Sog dieser geilen Großstadt zu werfen hatte was.

Selbst heute, wenn ich darüber schreibe und somit an all die kleinen und großen Geschichten denke wird mir ganz warm ums Herz. Grade in der Schöneberger Ecke, waren wir oftmals unterwegs. Einer meiner Freunde wohnte direkt im Kiez und ich erinnere mich als wäre es gestern gewesen, an die wilden Nächte, die wir auf den Spuren Bowies unternahmen. Es war die Zeit der Travestie und der Transvestiten in Berlin. Oft war es erst der gezielte Griff in den Schritt der den kleinen Unterschied klar werden ließ. Jedoch in berauschter Runde und mitten in der Nacht oder oftmals sogar in der Morgendämmerung spielte es überhaupt keine Rolle was oder wer dir grade die Zunge in den Mund schob. Leben und sonst nichts, das war es was wir getan haben.

Zu jeder Stunde, in jeder Minute und erst Recht jeder Sekunde.
Es dauerte fast ein Jahrzehnt, bevor insbesondere Rest-Deutschland erfuhr was Bowie in Berlin so erlebte. Denn erst der Film Christiane F. – Wir Kinder vom Bahnhof Zoo, lenkte eine verstärkte Aufmerksamkeit nach Berlin und oft wird es noch mit diesem Film assoziiert. Christiane F. ist in dem Film ein Bowie-Fan, Bowie selbst kommt bei einem Konzertauftritt vor. Was der Film jedoch am Rande immer wieder beleuchtet ist Schöneberg, das Sound und die Verrücktheit Berlins.
Wir sind Christiane oft begegnet, da sie zu unserer Mucke die Hüften geschwungen und sich anfangs ihre Trips eingeworfen hat.

Zu einer Zeit die geiler und prägender war, als alles andere was man sonst noch hätte erleben können, denke ich zumindest grade so bei mir…

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Foto/Text JK ©11/01/2016 „Das Bild zeigt etwa den Mauerabschnitt am Tonstudio, aufgenommen von mir in 2009“

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