Von Weihnachtsengeln…

Alle Jahre wieder,und so auch in diesem Jahr. 

Ein wildes Treiben setzt uns kurz vor Weihnachten in Gang und nachdem wir meinen fertig zu sein, fliegt noch mal der prüfende Blick durch die Zimmer ob auch ja alles so ist wie es zu sein hat. 

Das Zimmer vom Vater ist längst verweist und nur zwei von ihm selbst gebaute Möbel und eine große Anzahl von Trauerkarten, die auf einem Chippendale Teewagen ihre letzte Ruhe gefunden haben, weisen noch auf seinen für uns doch plötzlichen Tod hin. 

Beschlossen uns selbst auf unsere Gefühle zu konzentrieren und den kleinen Ben, unseren Enkel nicht den heulenden zu geben, warteten wir auf der Terrasse stehend bei Sonnenschein und Temperaturen welche man eher vom Frühling gewohnt ist und starrten in die Unwirklichkeit der Weihnachtslandschaft. Hier und da hatte es ein Baum in die Vorgärten geschafft und wurde wohl auch täglich bewässert, damit ihm die Nadeln nicht schon vor dem heiligen Abend bei einem leichten Windstoß abgehen.
Ja, dieses Jahr ist mal wieder alles anders und irgendwie dann wieder nicht, wenn ich an das Ritual des Schenkens denke. Pünktlich, fast auf die Minute, stieg dann auch unser kleiner Ben aus dem Auto, welches immer direkt vor unserer Garage parkte und lief stolz mit einer weißen und einer rosafarbigen Rose Richtung Eingangstüre. Der Rosenkavalier kommt sagte Marina zu mir und zückte ihre Kamera um dies im Bilde fest zu halten.
Ben´s Mama musste unbedingt noch zwei Rosen kaufen, da der junge Mann keine Ruhe gegeben hatte als er hörte, dass der Weihnachtsmann alle Geschenke, die es nun zu verteilen gab, bei uns abgeladen hatte. Als unsere Schwiegertochter schon fast wieder aus dem Laden draußen war drohte jedoch bereits neues Ungemach. Ein Geschenk für den Andere Opa, wie Ben seinen grade verstorbenen Ur-Opa immer zu nennen pflegte musste her. 

Aber was; 

eine Blume zum Überreichen schied da schnell aus und Ben´s Wahl fiel dann recht schnell auf zwei Figuren, die er im Regal des Geschenkeladens fand. Ein Krokodil oder einen Engel, welch eine schwierige Entscheidung! Gerne hätte er ja das Krokodil gewählt, passt es doch so wunderbar zu den anderen Wildtieren, die ihm Oma bereits gekauft hat. Aber der Wunsch nach Wildnis und Abenteuer musste freiwillig weichen, denn am Ende kam er zu der Einsicht, dass ein Engel für den Opa der nun im Himmel bei der Oma lebt, wohl die bessere Wahl sein dürfte.
Nicht uneigennützig das Kerlchen, das macht Mut. Weihnachten ist ja nun mal schließlich das Fest der Liebe und alles was wir mit Liebe erhalten sollten wir ja im Normalfall auch bereit sein zu geben. 
Da stand er nun unserer kleiner Sonnenschein, strahlend über das ganze Gesicht mit seinen beiden Rosen in der Hand und steckte uns mit den Worten, Geschenke von Ben, unsere Rosen entgegen. Zielstrebig griff er nach dem Überreichen in Mamas Tasche und zauberte wie aus dem Nichts seinen kleinen Engel hervor den er mit Mama im Geschenkeladen gekauft hatte und steuerte schnurstracks die Treppe hinauf zum Zimmer von Andere Opa. Er zögerte keine Sekunde und platzierte den Engel zwischen den ganzen Beileidskarten, die uns im Laufe der Woche erreicht hatten.
An der Stelle war dann bei uns auch kurzzeitig die vorgenommene „Kontinenz“ dahin. Jedoch nur für einen kleinen Moment, denn wir wollten ja für die Kinder und den Enkel, das „fröhliche Weihnachten“ auch in unser Haus strömen lassen. 
Als wenig später dann die vielen liebevoll verpackten Päckchen ihr Geheimnis preisgaben und die weihnachtliche Musik aus dem Radio dahinplätscherte, und mich zu dem noch zwei leuchtende Enkel-Augen ansahen, war auch mir einmal mehr klar, dass Weihnachten doch viel mehr ist als das Fest der Geschenke….
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Foto/Text JK ©25/12/2015

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