geteilte Aufmerksamkeit…

Die Causa Facebook…
Ich stehe im Schlafzimmer und mache mich fast dabei zum Deppen als ich mich selbst in die Pflicht nehme und einmal mehr den Zweiflern beweise, dass ich die Dinge mache, die ich in meinem Wahn manchmal ankündige.
So war es auch gestern ein flapsiger Spruch auf Facebook und drumherum die richtigen Schwestern und schon lässt sich Onkel Jürgen weder aufhalten noch lumpen.
Sein wir doch mal ehrlich, auch hierbei steht doch die Anerkennung im Vordergrund.
Das Schweigen hat doch mit Facebook ein Ende. Man sagt ich bin und bittet um Beifall.
Kommt er ist es gut und wenn nicht, dann? Ja was dann… Schweigen hat doch von je her etwas Passiv-Aggressives, so als würde man auf der Bühne stehend nach einem Konzert auf den Applaus warten und die Meute schaut einen starren Blickes regungslos an. Ob wir es wollen oder nicht, aber plötzlich werden die besten Augenblicke im Leben ständig auf ihr Likepotenzial abgeklopft, ähnlich wie bei dem genialen Mastercard-Werbeslogan …Unbezahlbar.
Es gibt eben Dinge, die kann man sich nicht kaufen und schon gar keine Likes.
Wie war das eigentlich früher, mit einer Gesamtzahl von 3000 Freunden. Nun letztlich auch nicht anders als heute, nur der Like-Neid war vielleicht ein wenig größer. Man sah mehr und war ab und an erstaunt wieviele Haken eine Katze oder ein Affe oder gar eine menschliche Tragödie zu bekommen schien. Aller Mist wird geliked und es gibt wenige Ausnahmen. Politik und Ellenlanges, weil zumindest letzteres von den wenigsten angenommen und vertilgt wird. Die meisten suchen den schnellen Kick, nicht mehr und nicht weniger und dafür wird bereitwillig und ohne zu murren abgehakt.
Dann wäre da noch die Gemeinschaft derer, die sich auf Facebook ständig um einander drehen und irgendwann kommt der Punkt der Sympathie und wenn es gut läuft, dann entstehen dadurch sogar Freundschaften oder zumindest eine gewisse Tiefe die man vielleicht mit etwas mehr als Interesse aufeinander haben bezeichnen könnte. Niemand kann jedoch mit zu hundert prozentigen Trefferquote voraussagen, wie die geknüpften Bande sich draußen in der realen Welt verhalten werden. Grade erst hat eine Freundin von mir Facebook verlassen. Sie selbst, eine sicherlich recht liebe, hatte null Bock mehr und schrie irgendwann, ich muss hier raus. Getrieben von was auch immer ist sie nun weg und ich hätte ihr bereits vor Jahren, als sie noch die Vision von großen Facebook Treffen an den Himmel malte sagen können, irgendwann wird die Langeweile die du bereit bist zu geben der Grund sein, dass du gehst. Bum und weg ist sie. Einzig ihr allmorgendliches Guten Morgen lieber… , hallt immer noch durch den Raum…
Wer Augen hat der sehe und wenn er das richtig tut, dann sieht er, das dank der Sozialen Netzwerke jetzt immer und zu jeder Tageszeit abrufbar ist, wer grade der Star ist, wer in der Ecke steht, wer rumschleimt, wer sich bemühen muss und wer nicht. Aufstieg und Fall, können in Echtzeit beobachtet werden, als hätte jemand deinen gesamten Tagesablauf ins Borcherts verlegt, dieses Lokal von Schicki und Micki in good old Berlin.
Machen wir uns also nichts vor: Facebook ist der rote Teppich für die Allgemeinheit und jeder der dem Verein beitritt, möchte irgendwann auf den roten Teppich kommen. Wer sich bei Facebook anmeldet dem dürfte klar sein, überall wo soziale Prozesse ganz offen sichtbar sind, werden sie sich wie von selbst verstärken. Die Community ist nun mal gierig und wenn wir es zugeben, dann sind wir es auch. Ansonsten würden wir vor unserer Hütte sitzen und uns vom Leben einfach überraschen lassen und bis dahin einen Scheiss tun, nur nicht nervös werden oder gar aufmüpfig.
Die Frage nach den Likes, nach denen uns doch allen dürstet ist oft auch weniger eine Frage des richtigen Content. Also Vorsicht, selbst der ist nicht der Garant für einen guten Like-Quotienten.
Das optimale Ausmaß, von Aufwand und Ertrag, ist bei Facebook nicht kontrollierbar und wird es auf Grund der sich ständig verändernden „Freundeskreise“ auch niemals werden.
Bleibt die Frage nach dem Danach. Was sagt es mir wenn ich mein Leben wieder ausserhalb von Facebook fokussiere. Im Grunde genommen zeigt es mir nur eines:
Ich bin ein Mensch der auf der Suche war nach Anerkennung und der feststellen musste, dass selbst beim Betreten eines virtuellen Tummelplatzes der Fokus der anderen Menschen sich auch bei größter Anstrengung meinerseits, oft lieber auf das Treiben eines scheissenden Hundes richtet.
Nicht mehr, aber zum Glück auch nicht weniger…
Danke für die Aufmerksamkeit 😉
Foto/Text JK ©11/2015

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s